Senioren Union Leichlingen auf Tour zum Willy-Brandt-Forum


Als Veranstaltung im Monat April hatte sich die Senioren Union Leichlingen ein etwas "artfremdes" Programm ausgedacht. Mit gut besetztem Bus fuhr man nach Unkel, wo im Willy-Brandt-Forum eine Führung für die 25 Teilnehmer durch Herrn Langer angemeldet worden war. Das große Interesse war erfreulich – und das strahlende Frühlingswetter bewirkte das Seinige.

In Unkel wartete der Geschäftsführer des ehrenamtlich geführten Willy-Brandt-Forums und konnte seinen Vortrag im Tagungsraum schnell beginnen. Erstaunliche Einzelheiten aus dem Leben Brandts verknüpfte er geschickt mit Histörchen und kleinen "Verzällerschers" und schuf so einen guten Spannungskreis bei den Zuhörern. Die Sparkasse Unkel hatte vor Jahren ihre Zweigstelle im Ort geschlossen; die Stadtverwaltung sorgte dafür, dass das Gebäude von der Stiftung übernommen und für ihre Zwecke eingerichtet werden konnte, wobei der kleine SPD-Ortsverein die Mammutarbeit leistete. Nach seinem Rücktritt lebte Brandt viele Jahre in einer größeren Wohnung in Unkel, erst gegen Ende seines Lebens entschloss er sich, auch noch ein Haus zu bauen. Aus diesem Haus vermachte seine Witwe, Brigit Seelbacher-Brandt, der Stiftung das komplette Arbeitszimmer mit allen Büchern und Gegenständen sowie vielen privaten Aufzeichnungen. Die Stiftung hat Brandts politische Laufbahn in der damaligen Bundesrepublik in Schwerpunkten dargestellt, vom normalen Abgeordneten des Bundestages nach seiner Rückkehr aus Norwegen über die Rolle als regierender Bürgermeister von Berlin bis hin zu seiner Bedeutung als Bundeskanzler der Neuen Ostpolitik mit "Entspannung durch Annäherung", des gescheiterten Misstrauensvotums von Rainer Barzel, über den "Kniefall von Warschau" bis zum Scheitern als Kanzler und seinem Rücktritt wegen der Guillaume-Affäre. Sehr interessant für die CDU-Senioren waren Details wie sein sehr gutes Verhältnis zu Helmut Kohl, das viel besser war als das zu Helmut Schmidt, oder die bedingungslose Bejahung der Vereinigung Deutschlands 1989/1990, wie sie Helmut Kohl geplant und wie er sie in seinen 10 Punkten verwirklicht hatte. Keiner der Besucher wusste z.B., dass Ex-Präsident Gorbatschow vor seinem Haus abgewiesen worden war, weil er sich nicht angemeldet hatte, dass er sich trotz seines mehr als nur schlechten Gesundheitszustandes gegen den Willen seiner Frau extra anzog, um "seinen Bundeskanzler" (Kohl) nicht im Schlafanzug und im Bett liegend zu empfangen. Keiner der Besucher wusste, dass Brandt seine dritte Frau mit Hilfe des damaligen CDU-Bürgermeisters in aller Heimlichkeit an einem Freitag nach Dienst der Verwaltung standesamtlich geheiratet hatte und die "Presse-Ente" der Welt damals war schon belustigend, weil geschrieben wurde, dass "nach der Trauung Brandt ein Perlenkollier aus der Hosentasche zog". Es war nämlich gar kein Journalist anwesend und Frau Seelbacher-Brandt hat in ihrer Zeit mit Willy Brandt von ihm nie ein Perlenkollier geschenkt bekommen. Als Gag hat sich die Stiftung ausgedacht, den Tresorraum mit den Wertfächern zu belassen und verschiedene Fächer mit Originaldokumenten zu belegen. Die Fächer können mit Hilfe der alten Originalschlüssel herausgezogen werden. Besonders bewegend ist es dann, zerknüllte Merkzettel von Brandt vorzufinden, die er sich bei der Reise nach Erfurt zum Treffen mit Honecker gemacht hatte und die man von einer ehemaligen IM der Stasi nach 1990 zurück bekam. Sie hatte sie auf Anweisung aus den Papierkörben des Zuges herausnehmen müssen. Die Fahrt war eine Wissens-Bereicherung, bei der der gesellschaftliche Teil beim gemeinsamen Mittagessen nicht zu kurz kam. Im Bus auf der Rückfahrt langer Applaus für Helmut Langer. Die Senioren Union der CDU hat nicht nur CDU-Mitglieder, sondern steht Andersdenkenden und parteilosen Mitbürgern als Forum bei den Veranstaltungen an jedem dritten Mittwoch eines Monats offen.